
Hameln. Sie sind das wohl schnuckeligste Ausnahme-Paar des Abends: Gerda und Gerhard Landau aus Hameln – beide 84 Jahre alt! Es müsse ja nicht immer nur „Walzer oder so“ sein. „Rockmusik“, sagt Gerhard Landau, „ist auf jeden Fall besser als Heino.“ Die Beiden stehen am Freitagabend im Lalu vor der Bühne des Ü-50-Bandfestivals, weil sie den Auftritt ihres Sohnes Joachim nicht verpassen möchten. Der Studienrat aus Braunschweig ist Sänger der Band Raft – und inzwischen selbst 56 Jahre alt.
Das Festival, es ist eine Zeitreise der Erinnerungen. Für die jüngeren Rockfans um die 20, 30, ja noch viel mehr wohl für den „Silbersträhnchen-Anteil“ unter Gästen und Musikern. Mit dem Hang zur drögen Nostalgie oder gar zum peinlichen Spaßzwang haben sie wohlgemerkt nichts am Hut. Dem modernen Senior von heute niveauvolle Unterhaltung zu bieten, die sich von den oft sehr einseitigen Angeboten abgrenzt, haben sich die Initiatoren vorgenommen, erklärt Ute Fehn. Die Geschäftsführerin des Landschaftsverbandes Hameln-Pyrmont stellt zusammen mit Radio 21 das Festival auf die Beine. Dass es an sich wenig interessante Veranstaltungen für die Junggebliebenen um die 50 gebe, finden viele der Konzertbesucher. So hat es das Festival mit seinem Anfangskonzert nicht schwer.
Mühelos fachen The Four die Stimmung an, geben als erste Band die Richtung auf der „Route-50plus“ vor: Alois Reichert, der Mann mit der John-Lennon-Brille, raunt einen Beatles-Song nach dem anderen ins Mikro. An den Gitarren und am Schlagzeug legen sich die anderen drei Musiker mächtig ins Zeug.
Und je später der Abend, desto beschwingter das Konzert. Zur „Sandmännchen-Zeit“ geht es noch mit übersichtlicher Besucherzahl los. Doch nach und nach füllt es sich auf rund 150 gut gelaunte Gäste auf – und wird erst um Mitternacht zu Ende sein. Kein Wunder, wenn alle Beteiligten es auch auf einen gemeinsamen Nenner bringen: Die vier Amateur-Bands aus Niedersachsen spielen Musik, mit der nicht nur sie selbst, sondern auch ein großer Teil des Publikums groß geworden ist. Raft lassen es mit schmissigem Rock krachen und mit Schmuse-Nummern auch mal ruhig angehen. D(i)e Light(s) treffen mit ihrer klassischen Rocklinie voll den Geschmack des Publikums. Peter Kranz und Band, die zur besten Gruppe des Abends gewählt werden, kommen gut an mit Blueskompositionen, die eine eigene, individuelle Note tragen.
„Vierzig Bands aus Niedersachsen hatten sich für die Teilnahme an dem Festival beworben“, sagt Ute Fehn. Die 14 Besten sind bei dem 30 000 Euro teuren Pilotprojekt dabei. Die Zeit scheint reif gewesen zu sein, ein Experiment zu wagen: Den ersten Festivalabend betrachtet Ute Fehn jedenfalls als gelungen.
Am 11. und 17. September geht es um 19 Uhr in der Sumpfblume weiter. Eine Bildergalerie des Ü-50-Festivals gibt es online auf www.dewezet.de.
Sogar die Eltern des Sängers haben sich unters Publikum gemischt: Die Gruppe Raft spielt schmissigen Rock.